“All in” the whole week. Partizan Minsk on Tour – Reisebericht.

Im letzten Basch, der Nummer dreißig des Ultrà Sankt Pauli Fanzine, gab es neben sehr interessanten anderen Texten auch einen Bericht über die Partizan Minsk Tour. Da ihn einer der Organisator*innen geschrieben hat, der auch noch die ganze Tour mitgefahren ist, lohnt sich die Lektüre auf jeden Fall. Und Danke, daß wir den Text veröffentlichen dürfen. Los geht’s.

Zur Tour muss ich nicht viel sagen, ihr wisst ja worum es geht – also direkt eingestiegen:

Als Mitorganisator der Tour von Partizan Minsk durch Deutschland entschied ich mich an der gesamten Tour der Weißrussen in Deutschland teilzunehmen. Zusammen mit drei Babelsbergern sollte ich eine der abgefahrensten Fußball-Erlebnisse erfahren, die mich bisher ereilten.

Los ging die Tour für mich mit einem Auto voller USPler, die Donnerstagabend vor dem Union Spiel nach Potsdam fuhren um mit dem FI einen Umtrunk im Nowawes zu veranstalten. Nachdem sich die Massen dort eingefunden hatten wurde sich schon mal in Vorfreude auf den Besuch aus Minsk geredet und es wurden zahlreiche Osteuropa-Anekdoten ausgetauscht. Aus Hamburg war zusammen mit uns ein junger Ultra aus Kiev (Arsenal Kiev) mit angereist – er wollte die ganze Woche mit uns verbringen, da Kiev Fanfreundschaft mit Minsk hat. In dieser lustigen Runde ließen wir den Abend ausklingen.

Am Freitag ging es dann vormittags nach Berlin um den Bus der Minsker in Empfang zu nehmen. Leider war die S-Bahn im üblichen Berlin-Modus, so dass wir zu spät kamen und direkt in das Frühstück der Minsker platzen. Schaute man sich die Bande so an war relativ schnell klar, wie die Gruppe strukturiert war. An dem einen Tisch saßen 4 ältere Herren mit Trainingsanzügen, das waren die Trainer, dann gab es die große Masse an 15-16jährigen Jungs in prolligen Klamotten, das waren die Spieler und zu guter Letzt war da ein Haufen von Skins, Hardcore-Leuten und eben Ultras, das waren dann die Fans. Diese Mischung war wohl einzigartig oder stellt euch mal vor ihr frühstückt auswärts mit Tschauner und der Frontzecke und diskutiert die letzten Spiele.

1.FC Union Berlin – FC Sankt Pauli 4:2

Wir jedenfalls die ca. 30 Fans eingesackt und auf mit denen zum Union-Stadion. Die weiß-roten Schals der Minsker sorgen bei den Unionenr dann für etwas Freund-/Feind-Verwechslung, die aber eher zu deren Ungunsten ausging. Aber trotz solcher Nebensächlichkeiten kamen wir dann unbeschadet an der Tankstelle vor dem Stadion an und konnten uns mit den anderen USPlern und dem Rest der Fanszene treffen und einen gemütlichen Schnack halten. So jedenfalls die Theorie – im echten Leben machten uns aber die rassistischen Bullenschweine einen Strich durch die Rechnung. Die Hubschrauberpiloten kesselten ohne erkennbaren Grund die Minsker und stellten die Behauptung auf, die Leute wären illegal hier. Im der allgemein entstandenen Unruhe kam es dann durch die Eskalation der Bullen zu Rangeleien und leider auch zu Verhaftungen (siehe dazu die Stellungnahme „For football without racism!“ auf dem Alerta Network Blog).

Mehr oder weniger gut gelaunt ging es dann ins Stadion. Die Minsker drehten vollkommen ab, da noch niemand vorher ein magisches Spiel gesehen hatte und auch nie geglaubt hätte, dass es mal passieren könnte. Unsere Gäste fielen schnell in die Gesänge ein und hatten sogar ein paar Banner mit. Nach dem Spiel gab es wieder Gerangel, diemal mit den Ordnern. Dabei war es für uns schwer den Gästen aus Weißrussland zu vermitteln worin eigentlich der Unterschied zwischen der Repression beim Fußball in Deutschland und bei denen vor Ort liegt. Die Minsker waren sich einig – dass was sie in Berlin rund um das Spiel erlebt hatten hätte auch bei ihnen in Minsk so passieren können. Ein Hoch auf die Bullenstaaten Deutschland und Weißrussland!

Nach dem Spiel (für das ich nun nicht extra einen Bericht liefere – kauft euch lieber die passende BASCH dazu) ging es zusammen mit allen zur S-Bahn und mit dem Zug zu den entsprechenden Bahnhöfen. Die Minsker, denen aufgefallen war, dass sich unsere Leute für sie gegenüber der Polizei eingesetzt hatten, bedankten sich im Zug und sangen in unserem Namen die Unioner platt und komponierten das eine oder andere Dankeslied (so sagte das jedenfalls der Übersetzer).

Abends noch schnell die Minsker auf die Hausprojekte in Berlin aufgeteilt und den ersten Abend schön in der Astra-Stube ausklingen lassen.

Der Samstag nach dem Union –Spiel ist relativ kurz zusammengefasst. Es gab einen Stadtrundgang mit den Fans von Partizan, und den U-18 Gruppen von Babelsberg und uns (bleibt da dran Hoschis – ich sag nur „Wie der Wind und das Meer….“), eine gemeinsames Pizza-Essen und danach einen Kneipen-Abend im Bandito Rosso, wo sich auch schon die ersten TEBEer blicken ließen. Der Abend wurde genutzt um sich überhaupt mal richtig kennen zu lernen und die Minsker ließen sich von uns unsere Fangesänge beibringen und übernahmen direkt das Forza-Lied nur mit MTZ statt Sankt Pauli. So soll so was laufen! TEBE war auch sehr nett und es wurde der eine oder andere Mexikaner genippt (mit Knoblauch – bäh!). Mit den ganz motivierten Minskern wurde nach der Kneipe noch ein Reggae-Nighter in eine Fußball-Gesangs-Darbietung verwandelt und morgens wurde dann ins Bett gefallen.

Tennis Borussia Berlin II – Partizan Minsk 1:2

Sonntag stand nun endlich das erste Spiel von Partizan an und so fuhren wir alle zum Stadion von TEBE, dort sollte deren Zwote gegen Minsk spielen.

Das Spiel lässt sich, wie die ganze Tour, mit „Winterschlacht“ umschreiben und war mehr ein drunter und drüber als geordneter Fußball, also genau unser Ding. Es waren ca. 380 Leute da, davon noch ca. 60 versprengte Sankt Paulianer, die von Freitag an in Berlin geblieben waren. Das Spiel war den Verhältnissen geschuldet holperig aber nett anzusehen und endete 1:2 für Minsk. Nach dem Spiel gab es eine Schneeballschlacht von TEBE vs. Minsk+FCSP. Die TEBEer überreichten noch ein Freundschafts-Banner (so wie alle anderen Stationen auch) und es wurde vor wie nach dem Spiel gemeinsam in deren Clubheim gechillt (netter Laden – aber scheiß Wirt).

Sonntagabend fand dann auch noch die Auftakt-Infoveranstaltung statt, die mit 150 Leuten eher mittelmäßig besucht war aber dafür umso interessanter. Es waren Leute von FC Internationale, Roter Stern Leipzig und Partizan Minsk auf dem Podium und es war interessant was für Ansichten da aufeinandertrafen. Allerdings waren sich alle einig, dass man beim Fußball etwas gegen Nazis und für linke Strukturen tuen muss, nur das Wie legt eben jeder selber fest.

SC Victoria All-Stars – Partizan Minsk 0:12 oder 1:13

Montag ging es dann nach Hamburg und die meisten von euch kennen ja die Abläufe hier bei uns. Für den Rest sei nochmals alles zusammengefasst.

Nach der Ankunft bei Victoria und den Gastgebern von Nordkaos wurde endlich einfach mal entspannt vor dem Spiel. Wir saßen gemütlich im Clubheim und genossen das Bier. Das Spiel gegen Vicky stand die ganzen vorherigen Tage auf der Kippe und es wurde erst ganz knapp vorher in der endgültigen Form festgemacht und statt der ersehnten Mannschaft spielte ein Allstar-Team von Vicky. Vorher ließ es sich allerdings der Vorstand von Vicky nicht nehmen sich mit dem Vorstand von Minsk zu treffen – das gab ein lustiger Bild ab. Zum Spiel selber ist nicht viel zu sagen. Es wurde deutlich dass es den Minskern um mehr als Spaß ging und so fegten sie Vicky mit 0:12 vom Platz. Die Mannschaft von Vicky wurde allerdings auch von alten Herren und teilweise von den Fans gestellt und war einfach nicht auf das Niveau von Minsk eingestellt.

Die anwesenden Fans (auch viele FCSPler waren da) wurden derweilen mit diversen Leuchtmitteln unterhalten und die Minsker sangen und feierten fröhlich, wie sie es schon bei TEBE taten. Am Ende herrschte Unklarheit über das Ergebnis, da nicht klar war ob es 0:12 oder 1:13 war – aber das war ja auch irgendwie egal. Parallel zum Spiel fand übrigens in Rostock eine Infoveranstaltung mit 2 Minskern statt.

Nach dem Spiel wurden die Minsker auf das Backpackers und das Jollyday-Inn aufgeteilt (Danke an dieser Stelle an die beiden Hostels) und letztendlich endete alles im Jolly – dazu muss man nicht mehr sagen.

FC Sankt Pauli IV – Partizan Minsk (abgesagt)

Man kennt ja sein Sankt Pauli und so wunderte es wenig, dass der blödeste Spieltag bei uns stattfand – oder eben auch nicht. Nach dem Frühstück am Dienstagmorgen wurden schnell klar, dass wir nicht wie geplant die Feldstraße 71 bespielen können und es wurde krampfhaft nach Alternativen gesucht. Das zog sich zwischen 10 und 14h hin und es war klar, dass man wie schon am Vortage befürchtet nichts mehr daran ändern konnte. Nach gefühlten 1000 Telefonaten gaben wir auf und sagten um 14h das Spiel ab. Zwar verlebten wir mit allen einen sehr schönen Tag mit Stadionführung und Einkauf im Fanshop aber irgendwie herrschte bei uns als auch bei den Minskern die Enttäuschung vor (bei den Spielern kann es auch der Kater gewesen sein). Nachmittags trafen wir uns dann im Knust und führten abends zumindest die Infoveranstaltung wie geplant durch. Dort wurden wir allerdings wieder entschädigt und freuten uns über die rund 500 Besucher und die ausgelassene Stimmung. Sogar das Ersatz-Kickerturnier fand in Teilen statt, unklar ist allerdings wer gewonnen hat. Ich stelle allerdings die These auf, dass es nicht die Minsker waren. Sankt Pauli konnte also neben Babelsberg die einzigen Siege gegen Partizan einfahren 😉

Der Abend endet wie schon vortags im Jolly, war nur etwas gemütlicher und es gab mehr Austausch mit den Weißrussen.

Mittwoch ging es nach dem Frühstück nach Leipzig. Das dauerte danke der hochprofessionellen Busfahrer auch den ganzen Tag, so dass wir um 19h direkt zur Infoveranstaltung ankamen. Diese war von rund 150-200 Leuten besucht und anschließend fand einen Kneipe mit DJs statt. Hier konnte ich das erste Mal richtig entspannt mit den Minsker Fans feiern, das mit dem Abschluss der Hamburg-Etappe auch meine Zuständigkeit zu Ende war. Erst hier lernen wir uns richtig kennen (im Bus saß ich immer bei den Trainern) und tauschten auch Kontaktdaten und Fußball-Geschichten aus. Der Abend endete dann für alle feuchtfröhlich am nächsten Morgen.

Roter Stern Leipzig – Partizan Minsk 0:1 & BSG Chemie Leipzig II – Partizan Minsk 0:2

Donnerstag sollte das große Turnier des RSL, der BSG und der Minsker steigen. Vorher allerdings wurde eine kleine Tour durch Leipzig (fette Stadt) unternommen und sich das Chemie-Stadion als auch der Fischladen (so was wie der Fansladen von RSL) angeschaut. Später abends startete dann das Turnier, welches von den Minskern jeweils mit „zu null“ gewonnen wurde. Damit gewannen die Weißrussen auch die Trophäe und konnten sie mit nach Minsk nehmen. Insgesamt schauten sich das 450 Gäste an, welche zum am Sportplatz an der AGRA gekommen waren. Direkt nach dem Spiel ging es dann nach Potsdam weiter, jedoch nicht bevor es eine kleine Schlägerei mit dem Busfahrer gab, da der eine Frau aus Minsk beleidigt hatte. Sexismus bekämpft und Busfahrer markiert!

SV Babelsberg 03 – Partizan Minsk 8:0

So kamen wir mitten in der Nacht in Potsdam an und fielen eigentlich nur noch in unsere Betten. Am Freitagmorgen hatte das Filmstadtinferno zusammen mit anderen Babelsbergern ein tolles Frühstück auf die Beine gestellt, welches wir in einem Kino einnehmen konnten.

Danach ging es mit den Minskern auch einen kleinen Rundgang durch Babelsberg und von da aus direkt zum Karli. Dort waren schon etliche Buden vorbereitet und das ganze erinnerte mich an das Zeckenderby 2012 (haaaach, war das toll). Außerdem wurde ein Freundschafts-Graffiti an die Stadion-Wand gemalt

Die Minsker bauten wir immer ihren Merch-Stand auf und es wurde mit den 03ern abgehangen. Der Platz am Karli war der erste geräumte der Tour und so stieg die Vorfreude auf Fußball ohne Widrigkeiten. Der Anpfiff brachte dann die Überraschung. Minsk war ganz klar unterlegen und

zur Halbzeit führte Babelsberg bereits mit 4:0. Der Fairness halber sei aber noch mal erwähnt, dass die ja bereits eine Woche Tour hinter sich hatten. In der Halbzeit gab es eine fette Schneeballschlacht, die professionell ausgeleuchtet wurde (das solltet ihr euch bei youtube reinziehen „Partizan Minsk – SV Babelsberg 03“ von panikOlli). Am Ende stand es also 8:0. Was sich allerdings als mein kleines Highlight herausstellte war nicht etwa das Ergebnis sondern der Babelsberger Bauchladen mit Schnaps und Kippen – bester Typ!

Der Abend und auch die Woche mit den Minskern endete dann im Spartacus mit Konzert (irgendwas mit Punk) und DJs. Es wurden sich nochmals gut vernetzt und zusammen melancholisch Wodka gesoffen. Am Samstag fuhr dann leider auch nach dem Gruppenfoto der Bus und der Abschied war kurz und schmerzlos. Beim Aufräumen und nebenbei Frühstücken vergriffen wir uns nochmal an den Wodka-Flaschen und so machte das ganze Putzen zumindest ein bisschen Spaß.

Ich freue mich, dass wir direkt nach dem Bochum-Spiel den Gegenbesuch in Minsk abhalten werden und kann euch schon mal auf einen ausführlichen Bericht einstimmen.

In Freundschaft und mit Dank nach Minsk: Gimp

Dieser Beitrag wurde unter Partizan Minsk Tour abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu “All in” the whole week. Partizan Minsk on Tour – Reisebericht.

  1. Pingback: “All in” the whole week. Partizan Minsk on Tour – Reisebericht. « LOVE FOOTBALL, HATE RACISM!

Kommentare sind geschlossen.