OMON überfällt Partizan-MTZ Fans

Am folgenden Samstag, am 4. Mai 2013, beginnt die neue Saison der 2. Belorussischen Liga. Das erste mal wird auch ein selbstverwalteter Klub mit dabei sein. Partizan Minsk präsentiert sich nur ein Jahr nach der Wiedergründung durch die Fans landesweit am ersten Spieltag zu Hause gegen das Team von FK Neman (Mosty). Hinzu kommt, daß mit den Minsker Traktorenwerken ein starker Kooperationspartner gewonnen werden konnte. Sichtbar wird diese Zusammenarbeit auch im Namen des Klubs sein. Denn der selbstorganisierte Verein tritt als Partizan-MTZ in der neuen Saison an. Es läuft also eigentlich ganz gut. Es gibt neue Partner, eine neue Liga wartet und auch die Fans blicken enthusiastisch in die Zukunft. Wenn da nicht die uniformierten Hooligans von der Mobilen Sondereinheit wären, die paramilitärisch organisieren OMON-Beamt*innen.

Am 20. April 2013 kam es auf dem Weg zum Freundschaftsspiel zwischen dem FK Osipovichi und Partizan-MTZ zu einem massiven Polizei-Übergriff auf jugendliche Fans des Minsker Vereins. Im folgenden Versuchen wir die Ereignisse zu dokumentieren. Wir nutzen hierzu den Bericht einer betroffenen Person, der im sozialen Netzwerk vkontakte veröffentlicht wurde, und die Beschreibungen, die ein Partizan-MTZ Fan gegenüber dem Radiosender Evroradio geäußert hat. Es ist dies nun schon der zweite krasse Vorfall in Zusammenhang mit Repression und Gewalt durch Polizeibeamt*innen. Nachdem die belorussischen Fans in Berlin willkürlich kriminalisiert und rassistisch isoliert wurden (siehe hierzu die Stellungnahme Aktiver Sankt Pauli und SV Babelsberg 03 Fans) wurden sie diesmal brutal zusammengeschlagen.

Einen Tag nachdem die Ansetzungen des ersten Spieltages der 2. Belorussischen Liga stattfand und Partizan-MTZ ein Heimspiel bescherte, war die Euphorie groß. Es fuhren viele Fans am 20. April 2013 zum Freundschaftsspiel in die circa 80 Kilometer entfernte Stadt Osipovichi. Um 20 Uhr sollte das Spiel beginnen. Es war also genug Zeit gemeinsam einen schönen Tag zu verbringen. Eine Gruppe von mindestens zwanzig, sehr jungen Fans machten sich mit dem Zug auf den Weg zum Spiel. Sie wurden zunächst von einer Minsker OMON-Einheit bis zur Landesgrenze der Minsker Region, bis zum Bahnhof Marin’aja Gorka (Marienhöhe) ohne besondere Vorkommnisse begleitet. Die Beamt*innen verabschiedeten sich mit dem Hinweis, daß sie nun von einer Einheit aus dem nahen Osipovichi begleitet werden würden. Diese kam allerdings nicht.

Die Fans stiegen an der nächsten Haltestelle am Bahnhof Vjarkhi aus, weil sie dort auf Freund*innen warten wollten, die einen Zug später genommen hatten. Nach ungefähr einer halben Stunde kam ein Streifenwagen und informierte die Fans, daß ihnen ein Bus zur Vefügung gestellt wird, der sie zum Spiel fahren würde. Außerdem sollte auf dem Weg angehalten werden, damit die Fans etwas essen könnten. Die sehr jungen Fans glaubten den Sicherheitsbeamt*innen. Schließlich hatten sie keinen Grund skeptisch zu sein – sie hatten weder irgend etwas gemacht, noch gab das Verhalten der Beamt*innen Anlaß zur Vorsicht.

Der Bus kam tatsächlich. Es war ein ganz normaler Linienbus, der aber, wie eine betroffene Person in seinem Bericht beschreibt, nicht zum Bahnhof fuhr, sondern in den Wald abbog. Die Fans wunderten sich zwar, gingen aber doch zum Bus – die Jugendlichen vorne weg und hinten ihnen die Polizist*innen. Als sie näher herankamen, sahen sie, daß aus dem Bus uniformierte und mit Sturmhauben vermummte OMON-Beamt*innen heraussprangen. Mindestens eine*r von ihnen hatte einen Schlagstock in der Hand. Nur der Vorgesetze trug keine Maske und war an den Schulterstücken erkennbar. Ohne Vorwarnung oder irgendeine Rechtfertigung, unabhängig davon, ob es für einen solchen Überfall überhaupt eine geben kann, schlugen die Beamt*innen auf die jungen Fans ein. Einige versuchten sich zurück zu ziehen. Jedoch bildeten die Polizist*innen eine Kette, so daß es kein Entkommen gab.

Was dann passierte, kann nur als Gewalt- und Beschimpfungsorgie beschrieben werden. Die zum Teil minderjährigen Fans wurden getreten und geschlagen. Sie wurden aufs Übelste beschimpft. Sie wurden in den Bus geschleppt. Die uniformierten und maskierten Hooligans hielten sich an den Haltestangen fest und sprangen ihnen auf den Rücken. Währenddessen beschimpften sie die Fans weiter. Danach wurden sie einzeln aus dem Bus geführt. Sie mußten ihre taschen leeren, die Schuhe, ihre Fan-Utensilien und Banner aber auch die Einlegesohlen abgeben. Dann wurden sie an mit erhobenen Händen an den Bus gestellt und wieder geschlagen. Einige sollen zu diesem Zeitpunkt bereits am Boden gelegen haben. Danach wurden die jungen Fans wieder in den Bus gebracht und platziert.

Sie saßen dort mit dem Kopf auf den Knie nach vorne gebeugt und mußten sich eine Litanei darüber anhören, wie schlecht sie doch wären. Sie würden Züge beschmieren und friedliche Bürger*innen erschrecken. Sie seien lediglich „Mißgeburten und keine Menschen“. Sie sollen regierungskritische Texte auf dem Portal der Initiative „Charta ’97“, einem oppositionellen Bündnis belorussischer freier Journalist*innen schreiben, was sie gegenüber Evroradio allerdings abstritten. Außerdem seien sie „Vieh“, nur weil sie vermeintlich Lukaschenko nicht mögen sollen.

Die gewaltvolle (Erziehungs-) Maßnahme dauerte circa 2 ½ Stunden. Nachdem ihnen unter Gewaltandrohungen eine Erklärung abgepresst wurde, daß sie keinerlei physische Gewalt erlebt hätten, setzten die OMON-Beamt*innen sie in den Zug zurück nach Minsk. Selbstverstäüdnlich nicht ohne sie auch wieder auf dem Bahnsteig mit Schlägen und Tritten zu jagen und zu verabschieden. Begleitet wurden die traumatisierten Fans diesmal nicht von OMON-Beamt*innen sondern von Milizionär*innen der Transportpolizei.

Die OMON-Einheit, die für den massiven Übergriff verantwortlich ist, kommt aus Mogilev, der Hauptstadt der Mogilevskoj Region. Diese Einheit ist bereits mehrfach durch Gewalt gegen Fußballfans aufgefallen. In diesem Zusammenhang wird immer wieder der Name des OMON-Offiziers Vladimir Retikov genannt. Diese Mogilever Einheit soll sich vor allem auf die Bestrafung von Dinamo Minsk Fans und Anhänger*innen des FK Belshina aus Mogilev spezialisiert haben, womit sich die Beamt*innen sogar selbst rühmen.

Es ist unerträglich, daß sehr junge, enthusiastische und junge Fans eine selbstverwalteten Vereins in eine Falle gelockt, auf das Übelste zusammengeschlagen und massiv eingeschüchtert wurden. Es muß der Eindruck entstehen, daß den Sicherheitsbeamt*innen vor allem das Engagement der Partizan-MTZ-Fans ein Dorn im Auge ist und allein dies eine derart gewaltvolle Bestrafung herausgefordert hat. Unsere Freund*innen brauchen jetzt unsere Unterstützung. Sie stehen nicht alleine! Zeigt Solidarität! Werdet kreativ!
Antifascist fans standing together!

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2 Kommentare zu OMON überfällt Partizan-MTZ Fans

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