Neuigkeiten aus Minsk zum Saisonstart

In den Ausgabe Nummer 185 des Fanzine Ultra Unfug aus der Nordkurve in Babelsberg erschien ein Text über die aktuelle Situation von Partizan-MTZ. Außerdem wurde während des Spiels ein herzlicher Gruß in Richtung Minsk geschickt. Bilder vom Spiel in Babelsberg gibt es auf der Seite des Filmstadt Inferno 1999. Wir dokumentieren hiermit den Artikel.

Am heutigen 4. Mai passiert historisches. Für Nulldrei könnte es ein weiterer Schritt in Richtung Abstieg werden. Für unsere Minsker Freund*innen dagegen ist es ein Feiertag, denn sie sind nur ein Jahr nach der Rettung sowie Übernahme ihres Klub in der Zweiten Belorussischen Liga angekommen und sie fahren auswärts zum FK Neman aus der westbelorussischen Stadt Mosty. Eigentlich sollte es ein Heimspiel werden. Doch der Direktor des Stadions des Staatlichen Belorussischen Agrar-Technischen Universität machte den Partizan*innen einen Strich durch die Rechnung. In ihr eigenes Stadion, das SOK Olimpiskij, können sie zur Zeit nicht. Dort fehlt der Rasen. Der is’ im Winter abhanden gekommen. Die Alternative wurde am Montag kurzfristig verweigert, da Partizan ganz ungezogene Fans haben soll, die sich im Stadion nich’ benehmen können.

Diese Argumentation erinnert fatal an die Berichte von jugendlichen Partizan Fans, die auf dem Weg zum Freundschaftsspiel mit dem FK Osipovichi von OMON-Beamt*innen aus Mogilev über mehrere Stunden festgehalten, beschimpft und verprügelt wurden. Diese Einheit und vor allem ihr Ober-Hooligan Vladimir Retikov sind bereits bekannt dafür, daß sie gerne Fußballfans zusammenschlagen. Zuletzt hat es allerdings einen Dinamo Minsk Nazi getroffen. Ein politischer Hintergrund ist dennoch anzunehmen. Denn den Minsker*innen wurde vorgeworfen, daß sie in oppositionellen Kreisen verkehren und Lukaschenko nich’ mögen sollen. Abgesehen davon wurden sie als „Nichtsnutze“, „Mißgeburten“ und „Vieh“ beschimpft. Außerdem mußten sie sich, nachdem sie vermöbelt wurden, ‘ne Standpauke darüber anhören, wie schlecht sie doch wären, daß sie in Bahnen alles beschmieren und friedliche Bürger*innen erschrecken würden. Am Ende mußten sie unter Gewaltandrohung ein Dokument schreiben, worin sie erklärten, daß ihnen nix getan wurde. Nach zweieinhalb Stunden bekamen sie ihre persönlichen Sachen, die Schuhe, die Einlegesohlen, die Fan-Utensilien und Banner zurück, wurden an die Bahnpolizei übergeben und zurück nach Minsk geschickt. Echt heftig die Geschichte!

Auf der anderen Seite tut sich sowohl im Verein als auch in der Fanszene sehr viel Positives. Nach der Rückkehr von der Freundschafts- und Solidaritätstour hat Partizan zwar sein Büro verloren, aber dafür einen kompetenten Partner dazu gewonnen. Es wurde nämlich eine Kooperation zwischen der Kindersportschule des Minsker Traktorenwerk (MTZ) und dem selbstverwalteten Verein geschlossen. Damit sind die Miete für die Stadien gesichert und den Minsker*innen wird ein Bus für die Auswärtsfahrten zur Verfügung gestellt. Der Verein läuft deshalb auch in der folgenden Saison in der Zweiten Belorussischen Liga als Partizan-MTZ auf. Das Team selbst hat sich ebenfalls weiterentwickelt und ist zusammengewachsen. Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang, daß die Verbindung zwischen den Aktiven und den Fans auf der Tour enger geworden ist. Wir, die wir die Tour mitgefahren sind, durften das bereits in Leipzig erleben, wo die Spieler*innen zusammen mit den Fans gemeinsam bei Pyro und Chören feierten. Und was bei der Abschlußparty abging, war ebenfalls nich’ schlecht…

In den Fanstrukturen tut sich offenbar auch etwas. Die Leute rücken näher zusammen, reißen sich für ihren Klub den Arsch auf und suchen auf verschiedenen Wegen ihren Sektor – im Osten heißt die Kurve Sektor, nur ma’ zur Erklärung – zu beleben. ich bin gespannt, was da noch kommt. Ich hoffe auf grandiose Choreografien und einen lauten Support während der Spiele. Und wer sich fragt, wo es denn den schönen Merch so in Zukunft gibt, dem sei prophezeit, daß demnächst ein Partizan Fanladen seine Pforten in Minsk öffnen wird. Nich’ schlecht, würd’ ich sag’n!

Dieser Beitrag wurde unter Partizan Minsk, Soli-Aktionen abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.