Bericht aus Minsk und Kiev im Basch

Im aktuellen Basch Nummer 32 ist eine schöner Reisebericht zu einer Tour nach Minsk und Kiev. Den wollen wir euch nicht vorenthalten.

Sankt Pauli hat die Bombe (diesmal echt fast!)
Zu Besuch bei Partizan Minsk und Arsenal Kiew

Nach dem Besuch der Minsker in Hamburg und die Teilnahme an der Soli-Tour kam relativ schnell die Idee auf, doch einen Gegenbesuch zu veranstalten. Davon bekam auch der mitgereiste Arsenal Kiew Fan (Fanfreundschaft mit Minsk) mit und so wurde die Idee dahingehend ausgebaut sowohl Partizan Minsk als auch Arsenal Kiew zu besuchen.

Und nach wochenlanger Planung fand sich dann auch ein Termin, wo man ein Minsk Auswärtsspiel besuchen konnte und ein Kiew Heimspiel. Von doch recht vielen potentiellen Mitreisenden blieben am Ende zwei über und wir hatten dann am Mittwoch vor dem Spiel endlich unsere Visa bekommen. Die Freude war groß als wir die Fleppen endlich in der Hand hatten und so konnten wir entspannt zum Bochum Spiel tingeln (mehr dazu sicher in einem anderen BASCH-Beitrag). Nach dem Spiel sind wir auch fix zum Flughafen gefahren und nach Minsk geflogen.

Aber was bringen Planungen und das Zusammentragen aller wichtigen Dokumente für die Einreise wenn man seine Rechnung nicht mit Lukaschenko und seinen Zollbeamten gemacht hat. Nachdem wir in einem extra Raum eine spezielle Versicherung abgeschlossen haben (glaubten wir zumindest) durften wir Belarus recht zügig betreten. Fehlende Unterschriften wurden am Zoll einfach durch den gängigen Charme des gemeinen Sankt Paulianers übergangen.

Wir wurden dann auch gleich vom Präsidenten von Partizan eingesammelt und in die Innenstadt gebracht wo wir noch das Auftaktspiel der D.I.Y. League schauen konnten. Diese League ist ein Zusammenschluss von allen möglichen linken Fans und Aktivisten aus Weißrussland und sie tragen ihre eigene kleinen Liga aus, in dem sie sich regelmäßig treffen und spielen. Dort verweilten wir bis ca. 17h und erholten uns vom Flug.

FC Osipovichi vs. FC Partizan-MTZ 1:0

Als dann der Rest der Partizan Ultras kam und genug Autos organisiert waren, wurden wir auf diese verteilt und sind schnurstracks nach Osipovichi gefahren. Auf dem Weg dorthin konnten wir noch eine Gruppe Dinamo Minsk Fans am Straßenrand beobachten, die von der Polizei wohl nicht mehr nach Osipovichi geleitet wurde – zu vermuten ist das die faschistischen Fans des Stadtrivalen zur Unterstützung der ebenfalls rechten Fans des Auswärtsgegners anreisen wollten. Kurz vor dem Ort hat uns die Polizei dann auch angehalten und recht schnell klar gemacht wer das Sagen hat. Nachdem sie die Führerscheine unserer Fahrer konfisziert hatten, haben sie uns mit ihrem Lada bis ins Stadion gebracht. Das es aber auch einschüchterndere Milizen gab, haben wir dann da erfahren müssen. Nach der Leibesvisitation durch die Spezialeinheit OMON durften wir dann auch in die Kurve, wo es für jeden von uns je einen einzelnen Polizisten gab, der uns und jede unserer Bewegungen genau beobachtete. Minsk ließ sich davon kaum beirren und hat trotz der Nachricht, dass eine andere anreisende Gruppe junger Fans von der Polizei in einen Wald gelockt wurde und sich die OMON-Beamten an den Fans ausließen (viele wurden schwer verletzt, siehe dazu savemtz.blogsport.eu‎ ) für ganz ansehnliche Stimmung gesorgt. Fahnen und Co. waren verboten aber das wurde durch Gesang und Gehüpfe der ca. 30 Fans ausgeglichen, was aber ausgiebig von der Polizei gefilmt wurde. Leider hat Partizan dieses Vorbereitungsspiel 1:0 verloren.

Die Niederlage wurde noch verschlimmert, da die Polizei wieder allen Fahrern die Lappen abgenommen hat und ankündigte uns bis nach Minsk zurück zu eskortieren. Aber nach 30km hatte die Polizei wohl doch mehr Lust Feierabend zu machen und hatte uns mitten auf der Autobahn die Lappen wieder gegeben und dann nach Hause fahren lassen. Die nicht verwendete Pyro wurden dann noch auf der Autobahn verschossen und so fuhren wir zurück nach Minsk. Fotos können wir leider nicht liefern, da es verboten war welche zu machen und die OMONs auch aussahen, als ob sie das durchsetzen würden.

Nun konnten wir endlich auch das Nachtleben kennen lernen was mit viel spazieren und sehr leckerem Bier verbunden war.

Am nächsten Morgen ging es dann auch direkt wieder zu einem Gewaltmarsch durch die Stadt und wir sahen das eigentliche Stadion von Partizan, das Ausweich-Stadion und eben den ganzen Touri-Kram. Fahr unbedingt mal nach Minsk, es ist super!

Am Abend brachten unsere Freunde uns dann noch zum Nachtzug nach Kiew. Die Zugfahrt erfüllt alle Klischees des Ostens und bot ein großartiges Schauspiel verschiedenster Grenzbeamter.

In Kiew holte uns der bereits aus Hamburg bekannt Fan von Arsenal ab und brachte uns in seine Wohnung in der Arbeiter-Vorstadt, damit wir eine Dusche nehmen konnten. Das Spiel sollte um 18h stattfinden und so hatten wir noch den ganzen Tag um Kiew zu erkunden. Dabei half uns ein Freund unseres Kumpels, der ebenfalls zu Besuch war und wir konnten neben Altstadt und Kloster auch die „Mutter-Statue“ begutachten, welche den Zusammenschluss der Völker der Sowjetunion symbolisiert. Rund um die Statue fanden sich circa 50 Panzer, Flugzeuge und anderer Kram der roten Armee. Unser Versuch die dort ausgestellte Nuklear-Rakete inklusive 16rädrigem Fahrzeug zu kaufen blieb erfolglos, zu gern hätten wir endlich die Bombe für Sankt Pauli gekauft. Aber zumindest konnten wir ein paar klassische Poser-Fotos auf den sowjetischen Panzern tätigen.

FC Arsenal Kiew vs. FC Karpaty Lviv 4:1

Unsere Begleitung verließ uns und wir bekamen von unserm Kumpel in Kiew nur eine SMS, dass wir alleine zum Spiel müssten, da er länger arbeiten musste. Aber er gab uns die Nummer des Eingangs durch und die Info, dass wir dort die anderen Fans treffen sollten.

Angekommen an diesem Eingang setzten wir uns zwischen die bereits dort wartenden Fans. Aber irgendwas stimmte nicht. Die Leute dort wirkten nicht, als ob sie auf uns warten würden und alles in allem wirkten sie auch nicht sympathisch. Dann entdeckten wir etwas, das unser Herz fast zum Stillstand brachte. Einer der ca. 30 Leute trug einen White Power Schal und ein anderer hatte einen von Dinamo Kiew. Wir waren am falschen Eingang und in Mitten der Nazi-Freunde von Lviv, den Fans von Dinamo Kiew. Nichts wie weg und lieber zum Haupteingang.

Nachdem unsere Freunde von Arsenal Kiew wegen Verspätung noch eine Weile brauchten, haben wir uns Karten für die Gerade gekauft, um das Spiel von einem neutralen Platz sehen zu können. Endgültig schockiert waren wir dann beim Reingehen, denn wir mussten unter den ca. 250 gegnerischen Fans durch, über die Tartan Bahn auf unsere Plätze und die Lviv und Dinamo Nazis skandierten lauthals im Chor „Sieg Heil“ und zeigten den entsprechenden Gruß Richtung Arsenal.

Nebenbei präsentierten sie faschistische Flaggen, Schals und Gesten in jeglicher Form. Von so etwas total schockiert haben uns die erste Halbzeit dann auch mehr die gegnerischen Fans mit offener Kinnlade angestarrt als das Spiel zu verfolgen. Allerdings konnte uns ein starkes Arsenal Kiew dann schnell in den üblichen sportlichen Bann ziehen und wie ließen die Nazis Nazis sein. Es fiel ein Tor nach dem anderen und so stand es zur Halbzeit 3:0.

Etwas unglücklich mit unserer Position in der Gerade beschlossen wir zur Halbzeit dann endlich zu den ca. 50 Arsenal Ultras zu gelangen. Das war allerdings nicht so einfach. Wir hatten die Wahl die ca. 300 Nazis-Fans zu durchwandern oder aus dem Stadion rauszugehen und zum Eingang des Support-Blocks zu laufen. Die 2. Variante schien uns sicherer und so machten wir uns auf. Nachdem ein OMON-Beamter für uns das Vorhängeschloss(!) am Tor entfernte und uns reinließ freuten wir uns natürlich schon einen Keks. Leider ließ uns der Ordner dann aber nicht in den richtigen Block rein und so verbrauchten wir die 2. Hälfte nur neben den Arsenal Ultras.

Als dann das 3:1 für die Faschisten fiel wurde im Gästeblock auch gezündet. Die Lviv Fans hatten Blinker und skandierten Parolen, als ob sie das Spiel gerade gewinnen würden. Aber das Ergebnis wurde unter dem lautem antifaschistischen Support der Arsenal Leute grandios zum 4:1 vollendet und Arsenal zündete zurecht Rauch und Blinker, welche im Abendrot vor den Flutlichtmasten einfach malerisch wirkten.

Nach dem Spiel wurde von den Arsenal-Leuten aus noch Butschern gegangen aber über die Ergebnisse wissen wir nichts, den das ist nicht unser Business.

Nun konnten wir den kompletten nächsten Tag nochmal gefühlt alle Straßen der wunderschönen Stadt Kiew ablatschen und ausgiebig die ukrainische Küche testen, bevor wir dann zum Airport sind um gemütlich zurück nach Hamburg zu fliegen.

Das Fazit unserer Reise ist wohl, dass vieles schlimmer gemacht wird als es ist. Wir wurden weder entführt, beraubt noch von Zöllnern verhört. Es war eine sehr entspannte Reise. In Minsk haben wir wieder feststellen können, wie wichtig den Leuten dort der Kontakt zu Sankt Pauli ist und dass das über das normale Interesse irgendwelcher Punker hinausgeht. Die Leute waren sehr offen und ehrlich zu uns und haben uns vor Ort sehr viel ermöglicht. Man konnte sagen, wir waren bei Freunden zu Gast.

Kiew als Szenen konnten wir auf Grund der Umstände nicht so wirklich kennen lernen aber es ist sicher klug da dran zu bleiben. Die Stadt ist einen der Städte, die man gesehen haben sollte.

Дружбы і салідарнасці! Alerta!

Bambi und Gimp

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