Partizan Tour 2013

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Alexander Lukaschenko, Präsident der Republik Belorus, wird immer wieder als totalitärer Herrscher beschrieben, der sein Volk unterdrückt und alles andere als zimperlich mit Kritiker_innen umgeht. Der vermeintlich letzte Diktator Europas und sein Regime scheinen als dunkle Folie für eine dystopische Entwicklung in dem Land vorgesehen zu sein. Angesichts massiver staatlicher Gewalt ist es kaum denkbar, daß die Menschen in Belorus einen Alltag jenseits der politischen Unterdrückung kennen. Noch viel weniger scheint es möglich, daß gesellschaftliche Aktivitäten wie Fußball davon frei sind und sich eine aktive Fanszene entwickelt hat.

Eine lobens- und unterstützenswerte Sonderstellung nimmt in diesem Zusammenhang der Fußballklub Partizan Minsk mit seinen Fans ein. Der Verein existiert seit zehn Jahren und entstand aus der Fusion der Betriebssportvereine des Minsker Traktorenwerks (MTZ) und des Republikanischen Instituts für Berufsausbildung (RIPO). Die Fans engagierten sich schon sehr früh antirassistisch und wurden schnell zu einem Symbol für eine aktive antifaschistische Fankultur weit über Belorus hinaus. Der Verein unterstützte das Engagement der Fans von Beginn an. Sportlich lief es für den Klub ebenfalls lange gut. Von 2004 bis 2010 spielte der MTZ RIPO erfolgreich in der ersten belorussischen Liga. In der folgenden Saison wurde der Klub in Partizan Minsk umbenannt. Nach dem Rückzug des Oligarchen und Großsponsors Vladimir Romanov und der damit einhergehenden Insolvenz zu Beginn des Jahres 2012 verlor Partizan Minsk seine Lizenz für die höchste Spielklasse. Dies bedeutete vorerst das Ende des Vereins.

Erst Ende März konnte nach dem beispiellosen Einsatz der Fans in Belorus, die ihren Klub nicht sterben lassen wollten, der Verein Partizan Minsk als selbstverwalteter Fußballklub neu gegründet werden. Eine internationale Solidaritätskampagne, die von antifaschistischen Fangruppen aus Deutschland initiiert wurde, unterstützte den Neuanfang. Der Verein startete mit 24 Spielern, zwei Trainern, einem Arzt und neuem Personal in der Geschäftsstelle in der vierten Liga, der Minsker Stadtliga. Alle Aktiven, bis auf die Trainer, engagieren sich ehrenamtlich. Die Spieler bekommen lediglich kleine Prämien. Der Team-Arzt zahlt sich praktisch selbst und unterstützt so den Verein. Der Spielbetrieb wird komplett über Spenden der Zuschauer_innen und den Verkauf von Merchandise-Artikeln geleistet.

Der neugegründete Fußballklub Partizan Minsk ist für die Aktiven und die Fans nicht nur ein Verein, sondern auch ein sportliches und soziales Projekt. Das er selbstverwaltet funktioniert, beweist, daß Sport auch jenseits der kapitalistischen Verwertungslogik möglich ist. Hinzu kommt antifaschistisches Engagement. Diese besonderen Menschen zu treffen, ihnen die Möglichkeit zu bieten, über ihren Alltag zu berichten und Spenden für ihre Arbeit zu sammeln, soll das Ziel der Tour von Partizan Minsk durch Deutschland sein.

Für einen anderen Fußball – für eine emanzipatorische Kurve!

2 Antworten auf Partizan Tour 2013

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